Wie viel verdient man während einer Ausbildung? Diese Frage spielt bei der Berufswahl eine immer größere Rolle. Denn zwischen einzelnen Ausbildungsberufen gibt es erhebliche Unterschiede bei der Vergütung. Während manche Auszubildende bereits im ersten Lehrjahr mehr als 1.000 Euro brutto monatlich erhalten, liegen andere Ausbildungsvergütungen deutlich darunter.
Für 2026 gibt es dabei zwei wichtige Orientierungspunkte: die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung und die tariflichen Ausbildungsvergütungen. Hinzu kommen individuelle Regelungen des Ausbildungsbetriebs.
Ausbildungsvergütung 2026 im Überblick
Die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung gilt für Ausbildungsverhältnisse, die nicht durch einen einschlägigen Tarifvertrag geregelt sind. Für 2026 beträgt sie laut Bundesagentur für Arbeit:
| Ausbildungsjahr | Mindestvergütung 2026 pro Monat |
|---|---|
| 1. Ausbildungsjahr | 724 € brutto |
| 2. Ausbildungsjahr | 854 € brutto |
| 3. Ausbildungsjahr | 977 € brutto |
| 4. Ausbildungsjahr | 1.014 € brutto |
Damit ist gesetzlich festgelegt, wie niedrig die Vergütung bei einem entsprechenden Ausbildungsvertrag grundsätzlich ausfallen darf. Tarifverträge können allerdings deutlich höhere Beträge vorsehen.
Die Mindestausbildungsvergütung ist deshalb nicht mit dem durchschnittlichen Azubi-Gehalt gleichzusetzen.
Ausbildungsvergütung Tabelle nach Ausbildungsbereichen
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) ermittelte für 2025 bei tarifgebundenen Betrieben eine durchschnittliche Ausbildungsvergütung von 1.209 Euro brutto pro Monat über alle Ausbildungsjahre hinweg. Gegenüber 2024 bedeutete dies einen Anstieg um 6,7 Prozent.
Nach Ausbildungsbereichen ergaben sich für 2025 folgende tarifliche Durchschnittswerte:
| Ausbildungsbereich | 1. Jahr | 2. Jahr | 3. Jahr | 4. Jahr | Durchschnitt |
|---|---|---|---|---|---|
| Industrie und Handel | 1.176 € | 1.257 € | 1.353 € | 1.462 € | 1.266 € |
| Handwerk | 967 € | 1.072 € | 1.204 € | 1.216 € | 1.093 € |
| Freie Berufe | 1.004 € | 1.098 € | 1.195 € | – | 1.098 € |
| Öffentlicher Dienst | 1.280 € | 1.332 € | 1.380 € | – | 1.329 € |
| Landwirtschaft | 1.101 € | 1.171 € | 1.273 € | – | 1.188 € |
| Hauswirtschaft | 1.225 € | 1.285 € | 1.377 € | – | 1.296 € |
Quelle: BIBB, tarifliche Ausbildungsvergütungen 2025.
Diese Zahlen zeigen bereits, wie groß die Unterschiede zwischen den Ausbildungsbereichen sind. Besonders hoch waren die tariflichen Durchschnittswerte im öffentlichen Dienst sowie in Industrie und Handel.
Welche Ausbildungsberufe zahlen am meisten?
Wer bereits während der Ausbildung ein möglichst hohes Einkommen erzielen möchte, findet insbesondere in bestimmten Industrie-, Technik- und kaufmännischen Berufen attraktive Vergütungen.
Das BIBB nennt für 2025 unter anderem den Beruf Milchtechnologe beziehungsweise Milchtechnologin mit einer durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütung von 1.463 Euro monatlich über alle Ausbildungsjahre hinweg als Spitzenreiter. Auf Platz zwei folgte Kaufmann beziehungsweise Kauffrau für Versicherungen und Finanzanlagen mit durchschnittlich 1.404 Euro.
Beispiele für besonders hohe tarifliche Ausbildungsvergütungen
| Ausbildungsberuf | Tarifliche Durchschnittsvergütung 2025 |
|---|---|
| Milchtechnologe/-technologin | 1.463 € |
| Kaufmann/-frau für Versicherungen und Finanzanlagen | 1.404 € |
| weitere gut vergütete Industrie- und Handelsberufe | teilweise über 1.300 € |
| viele Berufe in tarifgebundenen Großunternehmen | häufig über 1.200 € |
Bei insgesamt 47 Ausbildungsberufen lag die durchschnittliche tarifliche Vergütung 2025 über alle Ausbildungsjahre hinweg bei mindestens 1.300 Euro.
Welche Ausbildungsberufe zahlen am wenigsten?
Auch am unteren Ende der Tabelle gibt es deutliche Unterschiede.
Nach den BIBB-Daten für 2025 gehörten beispielsweise folgende Berufe zu den tariflich niedriger vergüteten Ausbildungsberufen:
| Ausbildungsberuf | Tariflicher Durchschnitt 2025 |
|---|---|
| Friseur/-in | 727 € |
| Pharmazeutisch-kaufmännische/-r Angestellte/-r | 925 € |
| Bodenleger/-in | 950 € |
| Maler/-in und Lackierer/-in | 985 € |
| Fachkraft für Agrarservice | 990 € |
Die Werte beziehen sich auf den Durchschnitt über die Ausbildungsjahre und nicht ausschließlich auf das erste Lehrjahr.
Gerade beim Vergleich mit der gesetzlichen Mindestvergütung muss deshalb genau geprüft werden, ob ein Tarifvertrag gilt.
Warum unterscheiden sich Ausbildungsgehälter so stark?
Die Ausbildungsvergütung hängt von mehreren Faktoren ab.
1. Ausbildungsberuf
Der wohl wichtigste Faktor ist der gewählte Beruf. Industrie-, Finanz-, Versicherungs- und bestimmte technische Berufe sind häufig besser vergütet als einige handwerkliche oder personenbezogene Dienstleistungen.
2. Tarifvertrag
Ein Tarifvertrag kann einen erheblichen Unterschied machen. Tarifgebundene Unternehmen zahlen in vielen Fällen deutlich mehr als die gesetzliche Mindestvergütung.
Das BIBB ermittelte 2025 für tarifgebundene Betriebe bundesweit durchschnittlich 1.209 Euro monatlich.
3. Ausbildungsjahr
In den meisten Ausbildungen steigt die Vergütung mit jedem Ausbildungsjahr. Die Bundesagentur für Arbeit weist ausdrücklich darauf hin, dass das Gehalt normalerweise von Ausbildungsjahr zu Ausbildungsjahr zunimmt.
4. Region
Auch der Ausbildungsort kann eine Rolle spielen. Tarifliche Vergütungen unterscheiden sich teilweise zwischen Ost- und Westdeutschland und zwischen verschiedenen Branchen.
5. Unternehmensgröße
Große Unternehmen zahlen häufig höhere Ausbildungsvergütungen als kleinere Betriebe. Besonders attraktiv können Ausbildungen bei großen Industrieunternehmen, Banken, Versicherungen oder Unternehmen mit Tarifbindung sein.
Gesetzliche Mindestausbildungsvergütung 2026
Seit 2020 gibt es in Deutschland eine gesetzliche Mindestausbildungsvergütung. Sie soll verhindern, dass Auszubildende unangemessen niedrig vergütet werden.
Für 2026 gelten folgende Mindestbeträge:
| Ausbildungsjahr | Mindestvergütung 2026 |
|---|---|
| 1. Jahr | 724 € |
| 2. Jahr | 854 € |
| 3. Jahr | 977 € |
| 4. Jahr | 1.014 € |
Die Beträge sind Bruttowerte. Das bedeutet, dass nicht der komplette Betrag auf dem Konto landet. Je nach Höhe der Vergütung und persönlichen Umständen können Sozialversicherungsbeiträge und gegebenenfalls weitere Abzüge anfallen.
Ausbildungsvergütung brutto und netto
Bei Ausbildungsvergütungen wird grundsätzlich das Bruttogehalt angegeben. Das Nettogehalt ist der Betrag, der tatsächlich ausgezahlt wird.
Wie viel netto übrig bleibt, hängt unter anderem von der Höhe der Vergütung und der individuellen Situation ab.
Ein Beispiel:
| Brutto-Ausbildungsvergütung | Netto |
|---|---|
| 750 € | abhängig von persönlichen Umständen |
| 900 € | abhängig von persönlichen Umständen |
| 1.100 € | abhängig von persönlichen Umständen |
| 1.300 € | abhängig von persönlichen Umständen |
| 1.500 € | abhängig von persönlichen Umständen |
Eine pauschale Netto-Tabelle wäre daher irreführend. Für eine exakte Berechnung müssen unter anderem Sozialversicherung, Steuermerkmale und gegebenenfalls weitere Faktoren berücksichtigt werden.
Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld für Azubis
Neben der monatlichen Ausbildungsvergütung können zusätzliche Zahlungen vereinbart sein. Dazu gehören beispielsweise:
- Weihnachtsgeld
- Urlaubsgeld
- Sonderzahlungen
- Erfolgsprämien
- Fahrtkostenzuschüsse
- Zuschüsse für Arbeitskleidung
- vermögenswirksame Leistungen
Ein Anspruch darauf besteht jedoch nicht automatisch. Ob solche Leistungen gezahlt werden, hängt insbesondere vom Arbeits- beziehungsweise Tarifvertrag und den Regelungen des Ausbildungsbetriebs ab. Die Bundesagentur für Arbeit weist ebenfalls darauf hin, dass Weihnachts- und Urlaubsgeld freiwillige Leistungen sein können.
Durchschnittliche Ausbildungsvergütung 2026: Was ist realistisch?
Die aktuell verfügbaren BIBB-Daten zeigen für 2025 bereits ein relativ hohes Niveau. In tarifgebundenen Betrieben lag der Durchschnitt bei 1.209 Euro brutto monatlich.
Für 2026 sollte man deshalb nicht nur die gesetzliche Untergrenze betrachten. Wer eine Ausbildungsstelle sucht, sollte die konkrete Vergütung des jeweiligen Unternehmens mit den branchenüblichen Tarifwerten vergleichen.
Ein Ausbildungsangebot mit beispielsweise 800 Euro im ersten Jahr kann gesetzlich zulässig sein, während ein vergleichbarer Ausbildungsplatz in einem tarifgebundenen Industriebetrieb möglicherweise deutlich über 1.000 Euro zahlt.
Top-Ausbildungsberufe nach Verdienst: Worauf kommt es an?
Wer seine Berufswahl auch vom Einkommen abhängig macht, sollte nicht nur auf die Vergütung während der Ausbildung achten.
Entscheidend ist auch das spätere Einkommen nach der Ausbildung.
Ein Beruf mit einer Ausbildungsvergütung von 1.000 Euro kann langfristig finanziell attraktiver sein als ein Beruf mit 1.300 Euro Ausbildungsvergütung, wenn die späteren Gehaltsmöglichkeiten deutlich höher sind.
Bei der Berufswahl lohnt sich deshalb ein Blick auf:
- Ausbildungsvergütung im ersten Jahr
- Ausbildungsvergütung im letzten Jahr
- Tarifbindung
- Übernahmechancen
- Einstiegsgehalt nach der Ausbildung
- Gehaltsentwicklung
- Weiterbildungsmöglichkeiten
- Fachkräftemangel
- Arbeitszeiten
- langfristige Karrierechancen
Ausbildungsvergütung und spätere Gehaltsentwicklung
Die Ausbildungsvergütung ist nur der erste Teil der Einkommensentwicklung.
Nach der Ausbildung können Weiterbildungen das Einkommen erheblich beeinflussen. Je nach Beruf kommen beispielsweise folgende Qualifikationen infrage:
- Fachwirt
- Meister
- Techniker
- Fachkaufmann
- Betriebswirt
- staatlich geprüfter Techniker
- Studium nach beruflicher Qualifikation
- Spezialisierungen innerhalb des Berufs
Gerade in technischen und kaufmännischen Berufen können zusätzliche Qualifikationen den beruflichen Aufstieg beschleunigen.
Tarifvertrag als wichtiger Gehaltsfaktor
Wer eine Ausbildungsstelle sucht, sollte im Vorstellungsgespräch beziehungsweise vor Vertragsabschluss fragen:
„Ist der Ausbildungsbetrieb tarifgebunden und nach welchem Tarifvertrag wird die Ausbildungsvergütung bezahlt?“
Das ist eine einfache, aber wichtige Frage.
Denn die BIBB-Daten zeigen, dass tarifliche Ausbildungsvergütungen erheblich über der gesetzlichen Mindestvergütung liegen können. 2025 erhielten rund 56 Prozent der Auszubildenden in tarifgebundenen Betrieben mehr als 1.200 Euro monatlich.
Ausbildungsvergütung Tabelle 2026: Kurzüberblick
| Kategorie | Orientierung |
|---|---|
| Gesetzliches Minimum, 1. Jahr | 724 € |
| Gesetzliches Minimum, 2. Jahr | 854 € |
| Gesetzliches Minimum, 3. Jahr | 977 € |
| Gesetzliches Minimum, 4. Jahr | 1.014 € |
| Tariflicher Durchschnitt 2025, alle Jahre | 1.209 € |
| Tariflicher Durchschnitt Industrie/Handel | 1.266 € |
| Tariflicher Durchschnitt Handwerk | 1.093 € |
| Tariflicher Durchschnitt öffentlicher Dienst | 1.329 € |
| Höchster genannter Berufswert 2025: Milchtechnologie | 1.463 € |
| Niedrigster genannter Berufswert 2025: Friseur/-in | 727 € |
Die tariflichen Werte stammen aus der BIBB-Erhebung zum Stand 1. Oktober 2025 und dienen für 2026 als wichtige aktuelle Orientierung.
Fazit: Was verdient man in welchem Ausbildungsberuf 2026?
Die Ausbildungsvergütung in Deutschland reicht 2026 je nach Beruf, Branche und Tarifvertrag von relativ niedrigen Beträgen bis zu deutlich über 1.300 Euro brutto monatlich.
Die gesetzliche Mindestvergütung beträgt 2026 im ersten Ausbildungsjahr 724 Euro, im zweiten Jahr 854 Euro, im dritten Jahr 977 Euro und im vierten Jahr 1.014 Euro.
Wer einen Ausbildungsplatz sucht, sollte sich jedoch nicht an diesen Mindestwerten orientieren, sondern die tatsächliche Vergütung des Ausbildungsbetriebs mit den branchenüblichen Tarifwerten vergleichen.
Besonders attraktive Vergütungen finden sich häufig in Industrie und Handel, im öffentlichen Dienst sowie in bestimmten technischen, industriellen und kaufmännischen Berufen. Das BIBB zeigt gleichzeitig, dass es auch innerhalb dieser Bereiche erhebliche Unterschiede gibt.
Für die Berufswahl gilt daher: Nicht nur das Ausbildungsgehalt betrachten, sondern auch Einstiegsgehalt, spätere Gehaltsentwicklung, Übernahmechancen und Weiterbildungsmöglichkeiten.